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Eine wunderbare Filmentdeckung: Frances Ha mit Greta Gerwig

Frances Ha - Greta GerwigDer vergnügliche Film „Frances Ha“ lebt vor allem von Greta Gerwig, die mich für mehr als die eineinhalb Stunden des Films verzaubern konnte. Der wohlbekannte Plot einer nicht mehr ganz jungen Tänzerin, die ihren Weg in New York zu machen versucht, ist in ‚Frances Ha‚ auf’s Angenehmste umgesetzt worden.

„Frances Ha“ ist eine wunderbare Filmentdeckung.

„Frances Ha“ mit Greta Gerwig ist einer dieser Filme, den keiner kennt, der kaum in Kinos lief und trotzdem so beeindruckt hat, das man sich wundert und selbst ein Bild davon machen muß.
Und so kam der Name Greta Gerwig in die Top-Charts der guten Filme. ‚Frances Ha‚ ist nun auf allen nennenswerten Listen der besten Filme des Jahres 2013 vertreten. Da denkt man erst einmal „Glaub den Hype bloß nicht“ und geht mit zweifelnden Gefühlen an die Vorfürhrung heran. Doch dann die Überraschung, ja, die erfreuliche Bestätigung: „Frances Ha“ ist tatsächlich sehr sehenswert und erfreulich anzuschauen. Eben eine wunderbare Filmentdeckung.

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Live awakened – Everyday Zen by Joko Beck

I bought this book back in 1997, got half-way through it, couldn’t understand it and went on with my life of everyday living, thinking, worrying, etc. that we all do in our lives. Not until a crisis of sorts came up did I pick it up again. This time, it all made sense. Living life in the present moment, right here, now. This was the first time I had encountered the radical suggestion: Our life is our practice! I reread it many times over the years and will do again and again. Joko Beck’s attitude: „Nothing to gain, nothing to lose“ might not be something you will like to hear. And it might take you years to understand. This book could be your entry to a deeper understanding and acceptance.

„Everyday Zen“ really helped me see how Zen can operate in the midst of modern life. One of the few books I can say is worth a multiple read.

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Zen meditation and understanding – Nothing special by Charlotte Joko Beck

If you ever feel reading about selfeducation and mindfulness you should give Charlotte Beck a chance. This book has accompanied me on my search for understanding on meditation, awareness and orientation in life for well over 15 years by now. I have always been fascinated by Joko Beck’s words but had and still have a hard time to accept all the implications and deeper meanings. She is a very, very strict person and yet ever so understanding and caring. By and by I manage to accept what she says instead of hanging on with my soothing illusions. She very much helped me to accept my responsibility, toward others, the world and myself.

You might not like what she has to say but it’s very likely that you feel she’s right. There is no book I have read so often as this one. I took it with me on my hikes and travel-light holidays , have bought and recommended it again and again. It’s very serious stuff but gave me comfort and made me stop whining.

I learned more about myself, Zen and meditation from this book than from any other I’ve read about these topics. Highly recommended reading.

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Allzeit Bestenliste der Bücher und Filme

Lesezeit ist zu kostbar, als daß wir auf dieser Webseite Verrisse posten wollen. Schlechte Bücher werden bei uns idR kommentarlos mißachtet. Daran soll sich keiner abarbeiten.

Sowieso möchte ich/Cnort nur solche Bücher und Filme besprechen, die ich mir gerne noch einmal angesehen habe oder das zumindest für sehr wahrscheinlich halte. Und sei es erst in Jahren oder über Jahre hinweg. Das ist sozusagen das beabsichtigte Standardkriterium, um hier überhaupt der Ehre meiner Besprechung würdig zu sein. Das gilt für meine Empfehlungen, Hanna ist da etwas lockerer.

At the desk reading on the computer

© cenopix

Noch strenger selektieren wir bei den Allzeit besten/All time favs. In diese Kategorie schaffen es nur Bücher und Filme, von denen Hanna oder ich meinen, daß man etwas sehr Schönes verpaßt, wenn man sie nicht erlebt, gelesen und gesehen hat. Diese Bücher und Filme haben uns immer wieder gefallen, sind mehrmals gelesen oder als Film oft angeschaut worden. Werke, die uns berührt haben und von ihrer Faszination nichts eingebüßt haben. Sozusagen unsere ganz persönlichen Klassiker. Und natürlich sind wir geteilter Meinung, welche Werke dazugehören. Daher die separate Auflistung, denn bevor man sich nun endlos streitet……. So bleibt der Disput über die Zugehörigkeit zu dieser Edelkategorie ein Spaß, wenn auch manchmal ein stürmischer. Kann meine Webmasterdominanz ja nicht allzu schamlos ausreizen, sonst muß ich die Arbeit hier ganz alleine machen.

Wer uns also einen Vorschlag zur Besprechung machen möchte, darf sich gerne erst ein paar Gedanken machen, wo sich seine Empfehlung einordnen lassen würde. Zugesandte Bücher oder DVDs werden gerne aber ohne jegliche Garantie einer Besprechung angenommen und auch nicht zurückgesandt. Sie landen möglicherweise in unserer Grabbelkiste oder werden verschenkt.

Ob wir eine erzieherische Absicht haben? Neeeiiiiiin………..!  Ich doch nicht 😉

 

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„I am Mary Dunne“ by Brian Moore

Mary Lavery, née Dunne lives in New York and is happily married to a much celebrated British playwright. But still she can’t get a grip on her life as she has three personalities who seem to be at war with each other. She suddenly begins to question her entire identity, life and choices. „Who am I any more?“ A question coming up in every one’s life, the later the more profound. You might call Mary a neurotic woman in her thirties, but this would only mean you deny your own insecurities.

To me this novel is about the struggle to know who you are, who you want to be and what put you on the track you are on. Reading the reviews to this book I began to wonder how  little appreciated introspection is by quite a lot of readers. Brian Moore found a captivating pace and gripping tension for this seemingly simple and slow-moving story.

Moore is often praised for his portraying female characters, particularly in his 1953 debut The Lonely Passion of Judith Hearne. In one line Moore can say more than most authors do in 10. With „I am Mary Dunne“ Brian Moore showed again his mastery in creating a complicated insight with short and compact sentences.  He composed the story as an uninterrupted internal monologue by Mary. He stirs you up with her dense speach. You might be totally embarrassed for Mary the whole time you read the book. But don’t take your opposing feelings for Mary for a justification to blame the author.

If you are willing to go for a deeper evaluation of the plot you will find a lot of questions arising about your own life. That may cause discomfort but it’s only a proof of the well-written prose of Brian Moore, who managed to catch you off your guard. This book will make you think and you will want to read it again. After some years.

„I am Mary Dunne“ by Brian Moore from 1968 is by far not outdated. To name the novel „beautifully depressing“ was tellingly describing the very well-written book. I am glad to have rediscovered Brian Moore for myself again and dig for “we are what we remember“.

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Schreiben fürs Internet

Träumen ist Pflicht

Träumen ist Pflicht

Écrire, c’est se cacher derrière les mots tout á se mettant á nu.” (Schreiben ist sich Verstecken hinter Worten, um sich dabei zu entblößen.)

Lesen wir nicht in der Hoffnung, etwas offenbart zu bekommen? Wenn der Autor nicht bereit ist, kann der Leser noch so schürfen, findet nur Plattheiten und Kitsch. Der Autor muß von der Entblößung wissen, Gespaltenheit auch schmerzhaft annehmen und Zweifel lassen. Auch den, den er dem Leser zumutet.

When you write well, you’ll know it. You’ll feel more naked than if you walked nude down Fifth Avenue in New York City.”  Dr. Abraham Rothberg.“ Be prepared for the sting. You can’t dance naked without running into some hornets.“  (Wenn Du gut schreibst, weißt Du es. Du fühlst Dich nackter, als wenn Du in New York ganz nackend die Fith Avenue entlang gehen würdest. Sei auf den Stich gefasst. Du kannst nicht nackend tanzen, ohne Hornissen zu begegnen)

Mein Tagebuch versteht mich, wenn ich mich grün fühlend rot nenne. Wenn ich grün fühle, mich aber im öffentlichen Text wahn-sinnig rot beschreibe, dann kenne ich mich nicht. Dem Leser wurde Offenbarung heimlich zugesagt und doch nicht zugestanden. Weil man im tiefsten Grunde seines Herzens doch nur Verstecken spielen will? Nur die Eitelkeit bedienen? Wäre ja im Web kein Wunder. Wäre aber ein Verstoß gegen das Sinngebot des ersten Zitats.

Es ist die Krux des Wunsches, Empfindungen mit Worten zu vermitteln. Worte zerlegen, sind ein-dimensional und trennend. Bilder sind durch Worte nicht zu fassen, sie lassen auch mehr Raum, trotz ihrer Promptheit. Ich akzeptiere mein Gefühl zu einem Bild sofort. Ich akzeptiere, daß mein Gefühl mir unerklärlich ist. Text jedoch, meine ich, analysieren zu können, er läßt mir Zeit zu überlegen. Er löst die Ganzheit auf und zerlegt Gefühl in scheinbar verdaubare Portionen. Nutze ich Text jedoch wie Bilder, bleibe ich vage und allzu sehr gefühlsverloren, gebe ich Worthülsen mehr Raum als ihnen zusteht.

Sprache gibt vor allem vor, Kontrolle zu behalten. Sie verführt, am Wort zu kleben, um der Verlorenheit in der Empfindung zu entgehen. Aber es sind grad nicht nur Worte, die mich in Webseiten oder in Blogs so gern stöbern lassen. Das, was mich zu mehr Wandlung anregt, suche ich.

Dem Schreiben kann, ja, Eitelkeit nicht abgesprochen werden. Warum also veröffentlichen? Wirklich nur aus Eitelkeit? Wohl kaum.

Wenn Selbstentblößung unvermeidlich bleibt, wird Träumen Pflicht. Verstandesschichten offenbaren nicht genug. Erkenntnis ist nicht linear zu haben. Worte müssen sich ergeben dürfen, wenn das Selbst überrascht sein soll.

Vielleicht liegt darin grad der Spaß, das Ich nun schreibgewandelt neu zu präsentieren. Was vor dem Schreiben nicht erkennbar war, auf einmal freudig teilen wollen, dem unvergessenen Kind wieder das Spielen zu gestatten.

Wie wohl ist dem, der dann und wann Sich etwas Schönes dichten kann! (…) Der Dichter, dem sein Fabrikat So viel Genuß bereitet hat, Er sehnt sich sehr, er kann nicht ruhn, Auch andern damit wohlzutun,…“ (Wilhelm Busch)

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Just a bore: Ian Rankin’s „The Complaints“

As a huge fan of Rebus, I very much looked forward to Ian Rankin’s new novel and main character Malcolm Fox. The storm was howling against my windows, the weather rainy as ever could be, still I was awaiting a very enjoyable winter weekend read on my sofa in front of the open fire and a warming drink. Maybe I was much too full of expectation not to be dissapointed. All the booze I drank instead of teetotal Inspector Fox didn’t help a bit to colour up the tedious story.

Usually my policy is not to write disapproving reviews. Time’s too precious to bother. But I feel cheated. There is absolutely nothing of any excitement going on in „The Complaints“. The plot is so slow, you wonder if there was any. If you ever were  in doubt how powerfully the team play of editors and tenure tracked reviewers could lead you on a merry dance, here’s the proof. Remarkable about ‚The Complaints“ is nothing but that it is totally unremarkable except for the fact that it’s a bestseller.

Seems Rankin got an obsession presenting the drinking habits of his characters. Didn’t count how often, but near every beverage taken in the run of a day by every protagonist was listed and described. That’s about the action. Next is the repeatedly underlining how formidably modern everybody is using computers, cell phones and what not of high tech. Is he trying to show the readers he eventually got it worked out to handle this tricky machines? Ok, let’s be fair and not jump on conclusions. But what can you expect if an author tries to cover the addiction to online games, paedophilia, abuse of women and the meltdown of finances and Scottish real estates in one plot? You’re stuffed with an endless string of forcefully connected bits of action. Rather non-actions, as all you get is what happens in Malcolm Foxes head. He and his team is tasked with investigating dirty officers getting their hands greased. Where morally impeccable DI John Rebus was not giving a damn about keeping to the rules, earnest Malcolm Fox is anxious not to step on anybody’s toes. Admittedly, times have changed and Rebus would only give a comical figure in police headquarters of today. Foxy, as he likes to be called, is a character as fascinating as a cautious tax inspector.

You could call Rankin a brave author as he risks showing to you in full broadness the drudgery of nowadays police work. You get the impression, it’s more about keeping one’s arse covered than going on criminals. We all know times are not what we would like them to be. And it’s only realistic that a modern male police officer has to get along with a boring, drunken and abused sister and an ailing father. But Fox manages too well. He’s so damn perfect, of highest moral quality and amazingly clever, he simply bored me endlessly. It was much too clear it would all work out fine without me ever having to feel seriously worried.

I will not deny, Ian Rankin is very good at getting you inside the head of his characters…masterfully even. But his main and most other characters are totally uninspiring chumps. I’m not reading a thriller because I want a pedantically realistic portraiture of everyday life. I’d like the hero to be a lot more juicy. And I certainly don’t want to spend time with such a prying, scrutinizing smart arse I have to cope with on the job anyway.

 

 

This novel „The Complaints“ does not deserve the benefit of the first doubt. Ian Rankin should have known much better as the experienced author he is. I’ll certainly be keeping an eye on any future Fox novels, but do expect a lot less complacency of Malcolm Fox and Ian Rankin. Yes. Rankin and his editor are by far too certain his books will be bestsellers. Seen in the high moral light of Rebus and Fox, Rankin played a bad trick on his readers.

This novel’s only good for sending you to sleep though you suffer from insomnia. Pardon my French.

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Ian Rankin: A Scots Hard Man „Black&Blue“ A John Rebus Novel

Let me say at the outset that I am high on Rankin. I have read most of Rankin’s Rebus novels and enjoyed near every page. If you love British mysteries, he’s a dead cert. You can’t go wrong if you start with „Black&Blue“, winner of the prestigious Macallan Gold Dagger Award for Fiction (Best Mystery as awarded by the Crime Writers Association of Britain). This book is as good a place as any to get introduced with his „hard man“, the majestic DI John Rebus. I believe this is one of the best of the assortment I’ve read.

John Rebus is a complex character, a person you do not cross; who both drinks and smokes too much for his own good, is divorced, a man who is on the borderline to know how to take care of himself.  Inspector Rebus is unquestionably a hard man. DI Rebus is driven by Calvinist guilt, fuelled by whisky, ciggies and pop music and is willing, even eager, to cut corners and push boundaries in his pursuit of a pretty harsh justice. The central character in these series of fiction novels by Scots author Ian Rankin is an ex Special Air Services operative, invalided out of the army after suffering a nervous breakdown, and then becoming a detective in the Capital of Scotland, Edinburgh.  But not in an Edinburgh that would be known to those who have vacationed there. It is set in the dark underbelly of the city.

Now Rebus catches the case of an oil-rig worker, who came gruesomely to death. Don’t ask him why, but Rebus senses a connection between this murder in Edinburgh and the Godfatherlike manoeuvres of a mobster in Glasgow. Along the way, bent cops in Aberdeen suspect Rebus of being Johnny Bible, the copycat killer who started imitating the murder pattern of Bible John (a true life killer) who terrified Scotland in the late 60’s.

Rebus is reaching a crisis while tracking these two serial killers and is involved in a deadly game of cat and mouse. First, he’s been transferred to a backwater division in the wake of the fallout from his last case and his first investigation there seems to tie into both the North Sea oil industry and the mobs. Second, an old case where he and his mentor played fast and loose with the rules has been reopened. Third, Rebus seems obsessed by both killers and manages to get himself into serious trouble by annoying superior officers in three different cities at the same time. Superiors who are not painted as modern and forward thinking.

Rebus really outdoes himself in this book. He reacts erratically, and because of this seems all the more human. He doesn’t give a toss about procedure, he is insubordinate, he constantly walks a tightrope between being fired and being let off the hook. Part of the trouble even goes as far as becoming a suspect in his own investigation. The overwhelming confluence of events threatens to swamp him. Yet Rebus is a believable character and you get so engrossed in the story you almost feel you are standing there watching things unravel before your eyes. I was gripped from the moment I picked this book, and despite promising myself that I would make it last by reading just a few chapters a day, I soon found I had devoured the whole book. Who wouldn’t love a borderline alcoholic detective whose conscience won’t let him rest? He’s certainly not the brilliant hero who never does anything wrong. He’s not a bitter drunkard, not a misogynistic bastard but silently heroic compared to every other character in the book.

 

 

But be warned: the book doesn’t come easy. Some might say, in „Black and Blue“ Ian Rankin was just a little too ambitious. Not only is there a labyrinth of plots and interesting scenes like the one on a North Sea oil-rig. Rebus is flitting in and out of three cities and three cop shops, there is an awful lot of characters, particularly coppers, milling about. It takes a lot of traveling time and clues for Rebus to work all the information he gathers into a coherent pattern. And for the reader, I may add. You will occasionally get confused among them all.

For me Rankin somehow manages to juggle all these plates spinning in a really superior way. John Rebus’s fans will be satisfied with „Black and Blue“, as everything I’ve come to love about him is here in spades. You’ll have to develop some of John Rebus’s stubborness and tenacity as it takes some time until he gets to any real action in this book. The plotting is superb; it’s complicated but rewarding to stick with. Rankin has an uncanny ability to interweave the plot, keeps us guessing, and is always surprising us. This is a Rebus novel with more twists and red herrings than you can count and yet it maintains feasibility. Ian Rankin can surely write, the dialogues are realistic, packed with humour and come with the precision of a chess master. He stirs his hot pot of confused leads, unholy alliances, dirty cops, and painstakingly slow progresses to a perfect serving.

Enjoy! I did.

It really is a beast of a book, weighting in at just under 500 pages but that length never feels unjustified.

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Mittelschicht-Kälber wählen sich ihre schwarz-gelben Schlächter selber

Heute ist ein denkwürdiger Tag. Heute – am 8.6.2010 – hat der Wähler die ganz besondere Gelegenheit, in nahezu jeder Zeitung oder Webseite nachzulesen, wie die CDU-FDP Regierungskoalition ihn gnadenlos über den Tisch zieht. Aus jeder Ecke wird die Regierung für ihre Sparpläne  zu Lasten der sozial Schwachen kritisiert. Wird sich darum etwas ändern an der Urne? Ich glaube es nicht. Obwohl sich grad der Widerstand formiert, Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände Proteste gegen das schwarz-gelbe Sparpaket organisieren und es sogar aus der Wirtschaft und den eigenen Reihen Unmut gibt, ich schätze, schon nach wenigen Tagen oder Wochen wird sich der Selbstbetrug der Mittelschicht gleichmütig fortsetzen. Ob Frau Käßmann oder die Gewerkschaften es schaffen werden, die „Straße“ zu mobilisieren, bezweifle ich stark.

Egal ob Hoteliers ihre Milliarde kriegen oder Hartz4-Empfängern das Elterngeld gestrichen wird, die Mittelschicht bleibt bei ihrer Identifikation mit der sogenannten Elite. Trotz der seit Jahrzehnten sinkenden Reallöhne und stetig steigenden Massenarbeitslosigkeit ordnet sich der Bundesbürger weit mehrheitlich dem wohlhabenden Bürgertum zu. In Ulrike Herrmanns Buch „Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht“schildert die Autorin die absurden politischen Folgen der hysterischen Sorge der Menschen, zur Unterschicht gezählt zu werden.

Regelrechte Verachtung wird den sozial Benachteiligten entgegengebracht, je stärker der eigene soziale Status bedroht ist. Frau Herrmann belegt, daß die Grundstimmung, Arme des Sozialschmarotzertums zu bezichtigen, mittlerweile zur Regierungspolitik avanciert ist. „Wer arm ist, muss sich den Verdacht gefallen lassen, eventuell ein Betrüger zu sein“. Der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer ermittelte 2009, 47 Prozent der Bevölkerung meinten, daß Langzeitarbeitslose „arbeitsscheu“ seien und sogar 57,2 Prozent gaben an, daß sich Hartz4-Empfänger „auf Kosten der Gesellschaft ein schönes Leben machen“. Auf solch eine breite Basis gestützt, ist es für Schwarz-Gelb  risikolos, das Volk durch Sozialabbau bluten zu lassen, kräftig bei den Ärmsten des Landes zu sparen und die Reichen zu verschonen.

Durch massive Kampagnen mit absurden Rechenbeispielen  – Ulrike  Herrmann belegt es – wird die Fiktion aufrechterhalten, es gäbe eine Ausbeutung der Mittelschicht durch die Armen. Die Mittelschicht solle glauben, daß der Staat nur noch die Armen fördere, dann stimme sie auch Steuersenkungen zu, von denen nur die Wohlhabenden wirklich profitierten. Die tabuisierte, permanente Umverteilung von unten nach oben werde sorgsam kaschiert, damit zB die eigentliche Ausplünderung zugunsten der Vermögen der Eliten und der Banken durch die „Rettungspakete“ als systemisch notwendig akzeptiert würden.

Die TAZ-Journalistin Ulrike Herrmann schreibt nicht wissenschaftlich analytisch, sondern mit legitimen, zugespitzten Vereinfachungen. Mag sie auch  pauschalierend Arme, Eliten und Mittelschicht nicht genau abgrenzen. Auch die Mittelschicht unterteilt sich letztlich in eine Reihe von Interessensgruppen mit stark gegensätzlichen Zielen.

Ihre Argumente sind dennoch schlüssig.  Die ausführliche Bibliographie  erlaubt es, unkompliziert in die Thematik einzusteigen, wenn man denn wollte. Es ist auf schockierende Weise bei Ulrike Herrmann zu erfahren, wie der Bundesbürger so tickt. Sie zeigt uns den Selbstbetrug eines Volkes, das meint, es würde „dazu gehören“, nur weil es sich vielleicht gerade einen BMW und Co. auf Leasing oder irgendwelche teuren Markenklamotten leisten kann. Es erkennt nicht, daß es nicht die bessergestellte Minderheit bildet, sondern die breite, betrogene Masse.

Podcast: Ellinor Krogmann im Gespräch mit der Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann über den Selbstbetrug der Mittelschicht. SWR2 Impuls vom 3.05.2010

Wer ganz schnell die wahre Vermögensverteilung geschildert haben möchte, möge doch Georg Schramm einen Augenblick zuhören. Die Zahlen von Ulrike Herrmann haben nichts mit der aktuellen Krise zu tun. Schramms Daten stammen von 2007 und früher.

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Ronald Reng, Is It – A Funny German?

Ich kann es kaum glauben, daß Engländer sich immer noch derartig über den bloody Nazi-German lustig machen sollen. Genau darum geht es vordergründig im Roman von Ronald Reng. Da spiegelt der Komiker Andreas Merkel den noch im Adrenalinrausch verhafteten Brokern der Londoner City, die sich abendlich den Gierstress schönsaufen, wie heftig Briten- und Deutschenbild aufeinanderprallen.

Durchaus mit Unbehagen liest man Rengs Roman. Wer mag schon so genau geschildert kriegen, wie andere einen sehen? Wie sie nicht lassen können von alten Vorurteilen und böser Rede. Wie im scheinbar sich rasend wandelndem Europa Feindbilder bestehen bleiben. Reng macht sich auf, in diesem Minenfeld der verbuddelten Gefühle einen innerlich zerrissenen deutschen Alleinunterhalter in Londoner Pubs auftreten zu lassen. Weder hat sich Andreas Merkel ganz assimiliert, selbst nach Jahren nicht, noch weiß er wirklich, was er will. Trotz verläßlicher Freunde ist er nicht im Selbstverständnis der Zugehörigkeit angekommen. Weder zum Land noch zum Beruf, in dem er sich als Exot und Neuling mehr schlecht als recht durchschlägt.

Als ihm in der niederschmetternden Katastrophe seiner schuldlosen Beteiligung am Tode eines 12-jährigen Schülers die Absurdität seiner Komikerlaufbahn so richtig in die Magengrube fährt, steigert sich der Lebenswahnsinn weiter. Sein Freund und Manager nutzt den Vorfall ganz englisch-pragmatisch zur Vermarktung. Typisch deutsch quält sich der moralische Stand-up Comedian mit Skrupeln über seinen steigenden Erfolg beim Publikum.

Auch wenn die Sprache des Romans teils eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen zu kopieren scheint, so mochte ich das Buch. Man wird das Gefühl nicht los, daß sowohl der Protagonist zwischen den Welten steht, wie auch der Autor. Und wie geht’s einem selbst? Weil die Dinge nicht immer so eindeutig und einfach sind, neigt man lieber dem Klaren zu. Es schmerzt, auf solch deutsche Art die innere Zerrissenheit zu spüren zu bekommen. Swinging London im jugendlichen Leichtsinn erlebt, kommt in dem Buch nicht vor. Unaufdringlich und fast weiblich einfühlsam zeigt Reng, daß wahre Lebensfreude trotz und mit dem Schmerz und der Absurdität des Lebens Einzug halten kann. Das macht er gut, eben deutsch, und doch sehr lesenswert.

Ich hätte allerdings ein weniger absurd-blödes Coverbild bevorzugt.

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