Mary Lavery, née Dunne lives in New York and is happily married to a much celebrated British playwright. But still she can’t get a grip on her life as she has three personalities who seem to be at war with each other. She suddenly begins to question her entire identity, life and choices. “Who am I any more?” A question coming up in every one’s life, the later the more profound. You might call Mary a neurotic woman in her thirties, but this would only mean you deny your own insecurities.
To me this novel is about the struggle to know who you are, who you want to be and what put you on the track you are on. Reading the reviews to this book I began to wonder how little appreciated introspection is by quite a lot of readers. Brian Moore found a captivating pace and gripping tension for this seemingly simple and slow-moving story.
Moore is often praised for his portraying female characters, particularly in his 1953 debut The Lonely Passion of Judith Hearne. In one line Moore can say more than most authors do in 10. With “I am Mary Dunne” Brian Moore showed again his mastery in creating a complicated insight with short and compact sentences. He composed the story as an uninterrupted internal monologue by Mary. He stirs you up with her dense speach. You might be totally embarrassed for Mary the whole time you read the book. But don’t take your opposing feelings for Mary for a justification to blame the author.
If you are willing to go for a deeper evaluation of the plot you will find a lot of questions arising about your own life. That may cause discomfort but it’s only a proof of the well-written prose of Brian Moore, who managed to catch you off your guard. This book will make you think and you will want to read it again. After some years.
“I am Mary Dunne” by Brian Moore from 1968 is by far not outdated. To name the novel “beautifully depressing” was tellingly describing the very well-written book. I am glad to have rediscovered Brian Moore for myself again and dig for “we are what we remember”.
Der Titel “Feel-Bad Education” von Alfie Kohn und das Titelfoto des gequält dreinschauenden Jungen auf dem Einband des Buches wirken für einen Profi beunruhigend .
So möchte ich als Lehrerin nicht gesehen werden. Man denkt doch, dass man in diesem Beruf etwas Sinnvolles leistet. Bildung zu vermitteln, sehe ich als Zuwendung zum Menschen. Und nicht als Frust-Dienst für mich und meine Schüler.
Woran die Vermittlung schon lange krankt, ist das zunehmende Desinteresse der Schüler am Lehrstoff. Das betrifft in meinem Fall Literatur genauso wie den Grammatikunterricht, im Deutschen wie im Englischen. Schüler scheinen es nicht so wichtig zu nehmen, ob sie sich fundamentales Wissen aneignen oder wie gut sie etwas beherrschen. Es ist kaum Bemühen zu erkennen, wenig Lust und Neugier. Intensive Vorbereitungen eines Projektthemas mit Kollegen ändern wenig, die Schüler und Schülerinnen springen darauf nicht an, und man selbst ist maßlos enttäuscht.
Neue Curricula, Methoden und Schulreformen der letzten Jahren haben daran nichts ändern können; ebenso wenig verbessert an der Lehr- und Lernsituation haben minutiös ausformulierte Erwartungshorizonte oder detailliert aufgelistete Kernkompetenzen.
Liegt es an der Ausrichtung all dieser Maßnahmen? Die neuen Methoden zielen im Wesentlichen auf Steigerung des Inputs. Mehr Wissen, mehr Fakten sollen in immer kürzerer Zeit an die Lernenden mit ausgeklügelten Techniken herangebracht und mit justiziablen Leistungstests auf Effizienz überprüft werden.
Neue Schulformen sind mehrheitlich auf den Lehrstoff und weniger auf die einzelnen Schüler hin orientiert. Hier setzt Alfie Kohns Kritik an. Lernen und Bildung sind mehr als ein Input-Output-Verhältnis, ein Denken, dass sich im Bildungswesen leider zunehmend breitmacht. Es funktioniert nicht, mehr anzubieten und zu fordern, also den Wissensumfang zu erhöhen, um dann in Leistungstests mehr herausholen zu können.
Leider ist es das, was wir Lehrerinnen und Lehrer heute gezwungen sind zu tun: Wir bereiten Schüler und Schülerinnen auf Leistungstests vor wie Rennstallbesitzer ihre Pferde auf Rennen. Wir befinden uns in einem Wettkampf; wir schreiben jahrgangsbezogene Vergleichsarbeiten, und wir erzeugen ganz viel Frustration auf beiden Seiten, und wenn unsere Klasse in der jeweiligen Vergleichsarbeit schlecht abschneidet, fällt das auch auf uns zurück. Schnell wird das schlechte Leistungsniveau und der fehlende Leistungswille als Entschuldigung angeführt.
Alfie Kohn zeigt auf, dass unser Blick zu wenig auf den einzelnen Schüler, die einzelne Schülerin und den Sinn und Zweck von Lerninhalten gerichtet ist. Heute bedeutet dies, im Widerspruch zu den Vorgaben des Schulamtes zu stehen. Schüler wie Lehrer werden von Amts wegen als berechenbare Größen betrachtet, die politische Normen erfüllen sollen. Jeder soll Bildung erfahren, niemand zurückgelassen und die Forderungen der Wirtschaft an die Qualifikation des Nachwuches sollen erfüllt werden.
Kohns Forderungen nach wesentlich mehr individueller Betreuung würden sowohl das Lerntempo verringern als auch Lerninhalte modifizieren. Wir würden aus dem Lehr- und Lernrhythmus bezüglich der zu schreibenden Leistungstests herausfallen. Wir dürften uns wieder mehr dem Menschen zuwenden, statt nur menschliche Roboter zu programmieren.
Das, was Alfie Kohn dem Leser immer wieder deutlich machen will, ist, dass in der schulischen Wissensvermittlung ebenso wie bei der elterlichen Erziehung zu Hause ein Aspekt nie aus dem Blickfeld geraten darf: die Fürsorge für das Kind und die bedingungslose Akzeptanz des Kindes, egal, welche Versäumnisse ihm anzulasten sind und wie gut oder schlecht es bei Leistungsüberprüfungen in der Schule abgeschnitten hat. Absolut und bedingungslos. Jedes Kind sollte sich jederzeit in seinem So-Sein angenommen fühlen, von seinen Eltern ebenso wie von seinen Lehrern und Lehrerinnen.
Das ist eine fast unmögliche Zielsetzung, wenn man die Leistungen der Kinder weiterhin mit Zensuren von 1 bis 6 beurteilt. Was diese Einstufung für die Kinder und Jugendlichen bedeutet, scheint noch wenig erforscht zu sein. Das heutige Bildungswesen baut immensen Druck auf. Kultusministerien, Wirtschaft, europäische und weltweite Vergleichsszenarien schrauben ihre Forderungen bezüglich des Wissens-Inputs immer höher.
Schüler, Lehrer, Eltern und Länder sehen sehen sich gleichermaßen einem ständigen Vergleichswettkampf ausgesetzt. Nach dem Sinn und Zweck derartiger Vergleiche wird nicht mehr gefragt. Es geht letztlich immer nur ums Gewinnen oder Verlieren. Wer nicht zu den Oberen auf einer Rangliste zählt, hat verloren und muss sich anstrengen, um beim nächsten Mal besser abzuschneiden. Wohin dieser ‘rat race’ führen soll, steht nicht zur Diskussion. Welche Art von Wissen und Bildung als relevant und notwendig erachtet werden angesichts so vielfältiger Veränderungen unserer Lebenswelten, wird mit den Betroffenen nicht erörtert. Aber wer entscheidet und beurteilt das? Reformen kommen von oben, und wir Lehrer und Lehrerinnen wehren uns zu wenig dagegen, weil wir sie entweder nicht gleich durchschauen, weil uns die Zeit dazu fehlt, weil wir ohnehin eine schlechte Lobby haben und wir allein auf komplexe gesellschaftliche Entwicklungen nicht korrigierend oder diese gar aufhaltend meinen einwirken zu können. Wir resignieren eher, als dass wir uns auflehnen.
Diese und andere Fragen diskutiert Alfie Kohn in seinen Essays. Aber auch seine Lösungsansätze greifen nicht weit genug. Der gesamte Komplex der neuen Medien und ihr gesellschaftlicher Einfluss bleibt ausgeblendet. Er thematisiert ausführlich das Verhalten und die teilweise überzogenen Ansprüche und Forderungen von Eltern im schulischen Kontext. Er stellt in Frage, dass Belohnungen die Motivation von Schülern steigern, hierbei anknüpfend an den tief im amerikanischen Denken verwurzelten Behaviorismus, und gelangt zu vernichtenden Urteilen über diese Methode des Lehrens und Lernens, die nur vordergründiges Interesse wecke.
Es gäbe noch so vieles zu sagen über Alfie Kohns Kritik am Bildungssystem in den USA, die weltweit übertragbar ist, wie es scheint. Doch um sensibel zu werden für diese Thematik, reicht das bisher Gesagte allemal, denke ich.
Alfie Kohn, “Feel-Bad Education”. Sehr lesenswert, nicht nur für Leute vom Fach, sondern auch für Eltern, die sich für die schulischen und familiären Aspekte der Erziehungspolitik interessieren. Als Taschenbuch
und eBook erhältlich, leider bisher nur in Englisch.
“Écrire, c’est se cacher derrière les mots tout á se mettant á nu.” (Schreiben ist sich Verstecken hinter Worten, um sich dabei zu entblößen.)
Lesen wir nicht in der Hoffnung, etwas offenbart zu bekommen? Wenn der Autor nicht bereit ist, kann der Leser noch so schürfen, findet nur Plattheiten und Kitsch. Der Autor muß von der Entblößung wissen, Gespaltenheit auch schmerzhaft annehmen und Zweifel lassen. Auch den, den er dem Leser zumutet.
“When you write well, you’ll know it. You’ll feel more naked than if you walked nude down Fifth Avenue in New York City.” Dr. Abraham Rothberg.” Be prepared for the sting. You can’t dance naked without running into some hornets.” (Wenn Du gut schreibst, weißt Du es. Du fühlst Dich nackter, als wenn Du in New York ganz nackend die Fith Avenue entlang gehen würdest. Sei auf den Stich gefasst. Du kannst nicht nackend tanzen, ohne Hornissen zu begegnen)
Mein Tagebuch versteht mich, wenn ich mich grün fühlend rot nenne. Wenn ich grün fühle, mich aber im öffentlichen Text wahn-sinnig rot beschreibe, dann kenne ich mich nicht. Dem Leser wurde Offenbarung heimlich zugesagt und doch nicht zugestanden. Weil man im tiefsten Grunde seines Herzens doch nur Verstecken spielen will? Nur die Eitelkeit bedienen? Wäre ja im Web kein Wunder. Wäre aber ein Verstoß gegen das Sinngebot des ersten Zitats.
Es ist die Krux des Wunsches, Empfindungen mit Worten zu vermitteln. Worte zerlegen, sind ein-dimensional und trennend. Bilder sind durch Worte nicht zu fassen, sie lassen auch mehr Raum, trotz ihrer Promptheit. Ich akzeptiere mein Gefühl zu einem Bild sofort. Ich akzeptiere, daß mein Gefühl mir unerklärlich ist. Text jedoch, meine ich, analysieren zu können, er läßt mir Zeit zu überlegen. Er löst die Ganzheit auf und zerlegt Gefühl in scheinbar verdaubare Portionen. Nutze ich Text jedoch wie Bilder, bleibe ich vage und allzu sehr gefühlsverloren, gebe ich Worthülsen mehr Raum als ihnen zusteht.
Sprache gibt vor allem vor, Kontrolle zu behalten. Sie verführt, am Wort zu kleben, um der Verlorenheit in der Empfindung zu entgehen. Aber es sind grad nicht nur Worte, die mich in Webseiten oder in Blogs so gern stöbern lassen. Das, was mich zu mehr Wandlung anregt, suche ich.
Dem Schreiben kann, ja, Eitelkeit nicht abgesprochen werden. Warum also veröffentlichen? Wirklich nur aus Eitelkeit? Wohl kaum.
Wenn Selbstentblößung unvermeidlich bleibt, wird Träumen Pflicht. Verstandesschichten offenbaren nicht genug. Erkenntnis ist nicht linear zu haben. Worte müssen sich ergeben dürfen, wenn das Selbst überrascht sein soll.
Vielleicht liegt darin grad der Spaß, das Ich nun schreibgewandelt neu zu präsentieren. Was vor dem Schreiben nicht erkennbar war, auf einmal freudig teilen wollen, dem unvergessenen Kind wieder das Spielen zu gestatten.
„Wie wohl ist dem, der dann und wann Sich etwas Schönes dichten kann! (…) Der Dichter, dem sein Fabrikat So viel Genuß bereitet hat, Er sehnt sich sehr, er kann nicht ruhn, Auch andern damit wohlzutun,…“ (Wilhelm Busch)
As a huge fan of Rebus, I very much looked forward to Ian Rankin’s new novel and main character Malcolm Fox. The storm was howling against my windows, the weather rainy as ever could be, still I was awaiting a very enjoyable winter weekend read on my sofa in front of the open fire and a warming drink. Maybe I was much too full of expectation not to be dissapointed. All the booze I drank instead of teetotal Inspector Fox didn’t help a bit to colour up the tedious story.
Usually my policy is not to write disapproving reviews. Time’s too precious to bother. But I feel cheated. There is absolutely nothing of any excitement going on in “The Complaints”. The plot is so slow, you wonder if there was any. If you ever were in doubt how powerfully the team play of editors and tenure tracked reviewers could lead you on a merry dance, here’s the proof. Remarkable about ‘The Complaints” is nothing but that it is totally unremarkable except for the fact that it’s a bestseller.
Seems Rankin got an obsession presenting the drinking habits of his characters. Didn’t count how often, but near every beverage taken in the run of a day by every protagonist was listed and described. That’s about the action. Next is the repeatedly underlining how formidably modern everybody is using computers, cell phones and what not of high tech. Is he trying to show the readers he eventually got it worked out to handle this tricky machines? Ok, let’s be fair and not jump on conclusions. But what can you expect if an author tries to cover the addiction to online games, paedophilia, abuse of women and the meltdown of finances and Scottish real estates in one plot? You’re stuffed with an endless string of forcefully connected bits of action. Rather non-actions, as all you get is what happens in Malcolm Foxes head. He and his team is tasked with investigating dirty officers getting their hands greased. Where morally impeccable DI John Rebus was not giving a damn about keeping to the rules, earnest Malcolm Fox is anxious not to step on anybody’s toes. Admittedly, times have changed and Rebus would only give a comical figure in police headquarters of today. Foxy, as he likes to be called, is a character as fascinating as a cautious tax inspector.
You could call Rankin a brave author as he risks showing to you in full broadness the drudgery of nowadays police work. You get the impression, it’s more about keeping one’s arse covered than going on criminals. We all know times are not what we would like them to be. And it’s only realistic that a modern male police officer has to get along with a boring, drunken and abused sister and an ailing father. But Fox manages too well. He’s so damn perfect, of highest moral quality and amazingly clever, he simply bored me endlessly. It was much too clear it would all work out fine without me ever having to feel seriously worried.
I will not deny, Ian Rankin is very good at getting you inside the head of his characters…masterfully even. But his main and most other characters are totally uninspiring chumps. I’m not reading a thriller because I want a pedantically realistic portraiture of everyday life. I’d like the hero to be a lot more juicy. And I certainly don’t want to spend time with such a prying, scrutinizing smart arse I have to cope with on the job anyway.
This novel “The Complaints” does not deserve the benefit of the first doubt. Ian Rankin should have known much better as the experienced author he is. I’ll certainly be keeping an eye on any future Fox novels, but do expect a lot less complacency of Malcolm Fox and Ian Rankin. Yes. Rankin and his editor are by far too certain his books will be bestsellers. Seen in the high moral light of Rebus and Fox, Rankin played a bad trick on his readers.
This novel’s only good for sending you to sleep though you suffer from insomnia. Pardon my French.
Let me say at the outset that I am high on Rankin. I have read most of Rankin’s Rebus novels and enjoyed near every page. If you love British mysteries, he’s a dead cert. You can’t go wrong if you start with “Black&Blue”, winner of the prestigious Macallan Gold Dagger Award for Fiction (Best Mystery as awarded by the Crime Writers Association of Britain). This book is as good a place as any to get introduced with his “hard man”, the majestic DI John Rebus. I believe this is one of the best of the assortment I’ve read.
John Rebus is a complex character, a person you do not cross; who both drinks and smokes too much for his own good, is divorced, a man who is on the borderline to know how to take care of himself. Inspector Rebus is unquestionably a hard man. DI Rebus is driven by Calvinist guilt, fuelled by whisky, ciggies and pop music and is willing, even eager, to cut corners and push boundaries in his pursuit of a pretty harsh justice. The central character in these series of fiction novels by Scots author Ian Rankin is an ex Special Air Services operative, invalided out of the army after suffering a nervous breakdown, and then becoming a detective in the Capital of Scotland, Edinburgh. But not in an Edinburgh that would be known to those who have vacationed there. It is set in the dark underbelly of the city.
Now Rebus catches the case of an oil-rig worker, who came gruesomely to death. Don’t ask him why, but Rebus senses a connection between this murder in Edinburgh and the Godfatherlike manoeuvres of a mobster in Glasgow. Along the way, bent cops in Aberdeen suspect Rebus of being Johnny Bible, the copycat killer who started imitating the murder pattern of Bible John (a true life killer) who terrified Scotland in the late 60′s.
Rebus is reaching a crisis while tracking these two serial killers and is involved in a deadly game of cat and mouse. First, he’s been transferred to a backwater division in the wake of the fallout from his last case and his first investigation there seems to tie into both the North Sea oil industry and the mobs. Second, an old case where he and his mentor played fast and loose with the rules has been reopened. Third, Rebus seems obsessed by both killers and manages to get himself into serious trouble by annoying superior officers in three different cities at the same time. Superiors who are not painted as modern and forward thinking.
Rebus really outdoes himself in this book. He reacts erratically, and because of this seems all the more human. He doesn’t give a toss about procedure, he is insubordinate, he constantly walks a tightrope between being fired and being let off the hook. Part of the trouble even goes as far as becoming a suspect in his own investigation. The overwhelming confluence of events threatens to swamp him. Yet Rebus is a believable character and you get so engrossed in the story you almost feel you are standing there watching things unravel before your eyes. I was gripped from the moment I picked this book, and despite promising myself that I would make it last by reading just a few chapters a day, I soon found I had devoured the whole book. Who wouldn’t love a borderline alcoholic detective whose conscience won’t let him rest? He’s certainly not the brilliant hero who never does anything wrong. He’s not a bitter drunkard, not a misogynistic bastard but silently heroic compared to every other character in the book.
But be warned: the book doesn’t come easy. Some might say, in “Black and Blue” Ian Rankin was just a little too ambitious. Not only is there a labyrinth of plots and interesting scenes like the one on a North Sea oil-rig. Rebus is flitting in and out of three cities and three cop shops, there is an awful lot of characters, particularly coppers, milling about. It takes a lot of traveling time and clues for Rebus to work all the information he gathers into a coherent pattern. And for the reader, I may add. You will occasionally get confused among them all.
For me Rankin somehow manages to juggle all these plates spinning in a really superior way. John Rebus’s fans will be satisfied with “Black and Blue”, as everything I’ve come to love about him is here in spades. You’ll have to develop some of John Rebus’s stubborness and tenacity as it takes some time until he gets to any real action in this book. The plotting is superb; it’s complicated but rewarding to stick with. Rankin has an uncanny ability to interweave the plot, keeps us guessing, and is always surprising us. This is a Rebus novel with more twists and red herrings than you can count and yet it maintains feasibility. Ian Rankin can surely write, the dialogues are realistic, packed with humour and come with the precision of a chess master. He stirs his hot pot of confused leads, unholy alliances, dirty cops, and painstakingly slow progresses to a perfect serving.
Enjoy! I did.
It really is a beast of a book, weighting in at just under 500 pages but that length never feels unjustified.
Der Roman “American Wife” der jungen amerikanischen Autorin Curtis Sittenfeld ist die mit viel Verve erzählte Lebensgeschichte der Hauptfigur Alice Lindgren, die – und das macht die Story für mich besonders lesenswert – der Figur der Laura Bush aus dem wahren Leben nachempfunden ist.
Ganz ehrlich: Laura Bush hat mich bis dato nicht sonderlich interessiert. George Bushs Herkunft, seine Präsidentschaft und was über sein Leben davor an die Öffentlichkeit gelang, haben ihn mir nicht gerade sympathisch gemacht. Zwangsläufig färbte sein Ruf auf das Ansehen seiner Frau und Familie ab. Oder nicht? Ich hatte mich schon häufiger gefragt, wie man es als Frau an seiner Seite wohl aushält. Nun habe ich darauf eine Antwort bekommen. Eine, die ich nicht erwartet habe.
Ich bin nicht enttäuscht worden. Als junges Mädchen, als Frau und später Ehefrau von Charles Blackwell, alias George Bush – immer überzeugt und beeindruckt Alice Lindgren bzw. Alice Blackwell mich, denn sie ist einfühlsam, zielstrebig, kritisch und überaus lebenstüchtig. Dennoch gerät sie in merkwürdige, lebensentscheidende, teilweise sogar tragische Situationen, in denen sie mein ganzes Mitgefühl hat. Ich bewundere sie für ihre Unneigennützigkeit und ihren praktischen Lebenssinn. Ihr wie dem Leser kommen Bedenken, als sie Charles Blackwell und später seine Familie kennen lernt. Sie passt sich nicht ohne Schwierigkeiten und erst allmählich an diese Welt der Reichen und ihre Rituale in der Großfamilie im schon reichlich heruntergekommenen Wochenenddomizil an. Unter der Woche sind die Aktivitäten der Frauen nicht weniger ritualisiert mit den Besuchen im Country Club, der Betreuung der Kinder und der Organisation von Familienzusammenkünften oder offiziellen Terminen. Der Clan und der unbedingte Zusammenhalt, die Loyalität allen Mitgliedern gegenüber, sind wichtiger als alles andere. Der enorme Luxus der teuren Country Clubs mit ihren eleganten Swinmmingpools, die dort mehr oder weniger untätig verbrachte Zeit mit ihren Schwägerinnen und den Kindern und das überwiegend belanglose Gechwätz über Nichtigkeiten des Alltags bereiten Alice gelegentlich ein schlechtes Gewissen. Sie bezweifelt die Angemessenheit eines derartigen, für selbstverständlich erachteten Wohlstands angesichts der Bedürftigkeit so vieler Menschen, und besonders derjenigen, die ihrer Ansicht nach etwas Besseres verdient haben, beispielsweise die begabte Enkelin der schwarzen Haushälterin ihrer Schwiegereltern, für deren Förderung sie sich vehement und nachhaltig einsetzt. Sie will sich nützlich machen und kein verwöhntes Anhängsel ihres Mannes sein, das allem und jedem zustimmt, um nicht in Ungnade bei ihm zu fallen.
Mehr als einmal fragt sie sich, ob ihre Entscheidung, Charles zu heiraten, richtig war. In einer kritischen Phase ihres Lebens, nämlich als er zum Alkoholiker zu werden droht, verlässt sie ihn mit der gemeinsamen Tochter und zieht für eine gewisse Zeit zu ihrer Mutter. Er ändert daraufhin seine Lebensweise radikal, denn ohne sie ist er verloren, ein Nichts. Sie kehrt zu ihm zurück, jedoch seine Schwächen und Defizite sind unübersehbar. Als Präsident der Vereinigten Staaten werden sie mehr als deutlich, denn Politik ist ein Geschäft, das ihn im Gegensatz zu Macht nicht interessiert und das er nicht versteht. Nur über Baseball kann er kompetent reden.
Diese Gedanken und Einsichten von Alice bilden den Anfang und das Ende des Romans, eine weitere kritische Lebensphase des Ehepaares. Alice trifft eine Entscheidung, wie schon so oft in ihrer Beziehung zu Charles: Sie mag seinen unwiderstehlichen Humor, den Sex mit ihm, den sie noch immer für den attraktivsten Mann hält; sie kann sich keinen anderen Partner an ihrer Seite vorstellen. Als Ehemann und Vater ist er ideal. Als Politiker und Präsidenten sieht sie ihren Mann kritisch wie eh und je. Eine geradezu schizophrene Situation. Man stelle sich die von ihr beschriebene morgendliche Szene im Schlafzimmer des amerikanischen Präsidentenpaars einmal plastisch vor: Während er aufsteht und duschen geht, liest sie – noch im Bett liegend – die einschlägigen Tageszeitungen und vor allem die Artikel über den Präsidenten, über deren Inhalt und Tenor sie ihm Bericht erstattet. Und jeden Morgen ist sie wieder entzückt, mit welcher Sicherheit er das richtige Hemd zum richtigen Anzug mit absolut passender und ihn wunderbar kleidender Krawatte er auswählt. Schon allein deswegen liebt sie ihn. Sie, die aus einfachen Verhältnissen stammt, ist dem Schönen durchaus erlegen. Nur passen diese Gedanken und Empfindungen so ganz und gar nicht zu den knallharten politischen Entscheidungen, für die George Bush steht und verantwortlich zeichnet. Ganz bewusst gibt Alice die Verantwortung an die Wähler zurück: Nicht sie hat gewollt, dass er Präsident wird, sondern die anderen haben ihn dazu gemacht. Sie selbst hat diese Position für ihn und sich nie angestrebt.
Zu einem relativ späten Zeitpunkt in ihrem Leben gesteht sie sich ein, dass ein Leben an der Seite ihrer ersten, einzigen und großen Liebe – Andrew Imhof – unter Umständen vielleicht doch zu eintönig und langweilig verlaufen wäre. Nie hätte sie so viel Spaß und Abwechslung gehabt wie an der Seite von Charles Blackwell. Diese Bilanz wiegt letzlich auch seine negativen Seiten auf. Diese plötzlich veränderte Sicht auf die Dinge irritiert den Leser zunächst. Aber auch dafür gibt es eine plausible Erklärung. Alice ist verantwortlich für den Tod des jungen Mannes, dem sie auf dem Weg zu einer Party, die sie besuchen wollten, aus Unachtsamkeit die Vorfahrt genommen hat. Sie hat den einzigen Mann, den sie je zu lieben glaubte, mit 17 Jahren getötet. Auch sie ist also nicht frei von Schuld und kann sich moralisch nur bedingt über ihren Ehemann erheben.
“American Wife” ist mehr als ein Titel; es ist ein Programm, ein Projekt. Curtis Sittenfeld ist es gelungen, sehr unterschiedliche Frauentypen zu zeichnen, angefangen mit der stillen, zurückhaltenden Mutter von Alice, die dennoch genau weiß, was gut für sie und die Familie ist, über ihre vielseitig interessierte, sehr belesene und außergewöhnlich selbstbewusste Großmutter mit ihrer lesbischen Freundin, einer Gynäkologin, bis hin zu ihrer anmaßend direkten und unverblümten Schwiegermutter, die mehr Achtung vor Alice als ihrem eigenen Sohn zu haben scheint. Nicht zu vergessen ihre Freundin aus Kindertagen, Dena, deren Machenschaften den Lebensweg von Alice nicht unwesentlich beeinflussen. Männer kommen insgesamt in diesem Roman nicht so gut weg. Doch wenn sie ihn lesen, können sie eine Menge über sich und Frauen lernen.
Heute ist ein denkwürdiger Tag. Heute – am 8.6.2010 – hat der Wähler die ganz besondere Gelegenheit, in nahezu jeder Zeitung oder Webseite nachzulesen, wie die CDU-FDP Regierungskoalition ihn gnadenlos über den Tisch zieht. Aus jeder Ecke wird die Regierung für ihre Sparpläne zu Lasten der sozial Schwachen kritisiert. Wird sich darum etwas ändern an der Urne? Ich glaube es nicht. Obwohl sich grad der Widerstand formiert, Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände Proteste gegen das schwarz-gelbe Sparpaket organisieren und es sogar aus der Wirtschaft und den eigenen Reihen Unmut gibt, ich schätze, schon nach wenigen Tagen oder Wochen wird sich der Selbstbetrug der Mittelschicht gleichmütig fortsetzen. Ob Frau Käßmann oder die Gewerkschaften es schaffen werden, die “Straße” zu mobilisieren, bezweifle ich stark.
Egal ob Hoteliers ihre Milliarde kriegen oder Hartz4-Empfängern das Elterngeld gestrichen wird, die Mittelschicht bleibt bei ihrer Identifikation mit der sogenannten Elite. Trotz der seit Jahrzehnten sinkenden Reallöhne und stetig steigenden Massenarbeitslosigkeit ordnet sich der Bundesbürger weit mehrheitlich dem wohlhabenden Bürgertum zu. In Ulrike Herrmanns Buch „Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht“schildert die Autorin die absurden politischen Folgen der hysterischen Sorge der Menschen, zur Unterschicht gezählt zu werden.
Regelrechte Verachtung wird den sozial Benachteiligten entgegengebracht, je stärker der eigene soziale Status bedroht ist. Frau Herrmann belegt, daß die Grundstimmung, Arme des Sozialschmarotzertums zu bezichtigen, mittlerweile zur Regierungspolitik avanciert ist. „Wer arm ist, muss sich den Verdacht gefallen lassen, eventuell ein Betrüger zu sein“. Der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer ermittelte 2009, 47 Prozent der Bevölkerung meinten, daß Langzeitarbeitslose „arbeitsscheu“ seien und sogar 57,2 Prozent gaben an, daß sich Hartz4-Empfänger „auf Kosten der Gesellschaft ein schönes Leben machen“. Auf solch eine breite Basis gestützt, ist es für Schwarz-Gelb risikolos, das Volk durch Sozialabbau bluten zu lassen, kräftig bei den Ärmsten des Landes zu sparen und die Reichen zu verschonen.
Durch massive Kampagnen mit absurden Rechenbeispielen – Ulrike Herrmann belegt es – wird die Fiktion aufrechterhalten, es gäbe eine Ausbeutung der Mittelschicht durch die Armen. Die Mittelschicht solle glauben, daß der Staat nur noch die Armen fördere, dann stimme sie auch Steuersenkungen zu, von denen nur die Wohlhabenden wirklich profitierten. Die tabuisierte, permanente Umverteilung von unten nach oben werde sorgsam kaschiert, damit zB die eigentliche Ausplünderung zugunsten der Vermögen der Eliten und der Banken durch die “Rettungspakete” als systemisch notwendig akzeptiert würden.
Die TAZ-Journalistin Ulrike Herrmann schreibt nicht wissenschaftlich analytisch, sondern mit legitimen, zugespitzten Vereinfachungen. Mag sie auch pauschalierend Arme, Eliten und Mittelschicht nicht genau abgrenzen. Auch die Mittelschicht unterteilt sich letztlich in eine Reihe von Interessensgruppen mit stark gegensätzlichen Zielen.
Ihre Argumente sind dennoch schlüssig. Die ausführliche Bibliographie erlaubt es, unkompliziert in die Thematik einzusteigen, wenn man denn wollte. Es ist auf schockierende Weise bei Ulrike Herrmann zu erfahren, wie der Bundesbürger so tickt. Sie zeigt uns den Selbstbetrug eines Volkes, das meint, es würde “dazu gehören”, nur weil es sich vielleicht gerade einen BMW und Co. auf Leasing oder irgendwelche teuren Markenklamotten leisten kann. Es erkennt nicht, daß es nicht die bessergestellte Minderheit bildet, sondern die breite, betrogene Masse.
Wer ganz schnell die wahre Vermögensverteilung geschildert haben möchte, möge doch Georg Schramm einen Augenblick zuhören. Die Zahlen von Ulrike Herrmann haben nichts mit der aktuellen Krise zu tun. Schramms Daten stammen von 2007 und früher.
If I hadn’t been given “The Road Home” as a Christmas present by an English friend, I wonder when I would have discovered Rose Tremain as the highly gifted writer that she is.
Meanwhile, I have read “Sacred Country”, “Music and Silence”, “The Colour”, and her latest novel “Trespass”. It is amazing how she is
Filou30 Vallée du Galeizon Cévenne CC
able to evoke the spirit of times and ages in creating her complex works. Her characters are endowed with convincing lives and thoughts. It seems to be no problem to her to write from any point of view imaginable, no matter what age, gender, or nationality. She shows deep insight into people’s motives for their decisions and deeds. In their pursuit of happiness her characters often leave their home countries, families, and friends – sometimes for good – and involuntarily become outsiders in their new surroundings though trying hard to accommodate themselves. Since human nature is corrupt, a lot of violation takes place in the long history of countries and families. Lands, homes, bodies, minds, relationships are treated with disrespect and made to suffer or decline into chaos. For all these ‘trespasses’ there is hardly ever any true redemption.
“Trespass” is set in the unforgiving dramatic landscape of the Cévennes in southern France, which the author herself is quite familiar with.
At the beginning of the story, ten-year-old Mélodie wanders away from her school party having a picnic during a school outing. She is new in her class and bullied by her classmates for her different accent and behaviour. Because of her father’s career the family has just moved from Paris to this wild region of the country, which Mélodie cannot cope with at all. Strolling through a wood she discovers something and starts screaming. However, not until the end of the novel does the reader get to know what has happened.
The once-renowned London antique dealer Anthony Verey, a snobbish man of sixty something, is failing to make money in his forbiddingly elegant shop in Chelsea. He decides to escape to his sister Veronica, a garden designer, who lives in southern France with her lover Kitty, an amateur watercolourist, whom Anthony despises. Anthony’s arrival brings disruption to the lovers’ idyll. To Veronica, who has always taken care of her younger brother because their pleasure-seeking mother never had any time for her children, this is no problem. She loves her brother and wants to help him find a house in the area, whereas Kitty’s jealousy and hatred of Anthony become insurmountable. She leaves shortly after Anthony is missed and keeps missing.
At the heart of the story, however, are a French brother and half-sister, Aramon and Audrun Lunel, both born after the Second World War and now in their late middle age. Aramon, a decrepit alcoholic, hopes to sell the majestic but subsiding old family stone house, the Mas Lunel, to wealthy foreigners. Anthony Verey, the first of the potential buyers, feels deterred by the fact that Audrun’s squalid modern bungalow has been built on the borderline that separates her territory from her brother’s. This private dispute between brother and sister has to be settled first before the local agents are able to sell the house. Worldwide the recession deepens, and the local mayor declares that “displacement of local people by foreigners must end” in the newspaper.
Audrun tries to prevent her brother from selling the house that she feels she has a right to. After their adored mother had died, Aramon was encouraged by his own father to join him in abusing Audrun, who is not his own daughter. ‘Trespass’ – in the sense of wrong-doing – has poisoned the atmosphere between brother and sister and in Mas Lunel ever since. Aramon himself cannot come to terms with what he has done to Audrun. He neglects the stately house and the hunting dogs and often has to bid his sister to help him find or remember things. Though she takes care of him, she thinks about ways of getting rid of him so that he will not be able to sell the house and the land. Of all the novel’s characters she is the one with the most respect for her environment.
Mélodie’s piercing scream , which has been echoing through the novel, is explained when finally Anthony’s body is found in a river behind Mas Lunel. His car is found hidden in a shed, and Aramon is accused of murder. Although he cannot remember anything and thinks his mind keeps deteriorating, he admits everything and is sent to prison, where after a very long time Ausdrun visits him. He tells her he feels sorry for what had happened in the past. Not long after he had left Mas Lunel, it was destroyed by a fire that almost killed Audrun. It could be rebuilt with the insurance money, however, Audrun decides to have it demolished altogether so that, in the end, nothing is left of it.
Being on her own now, Veronica decides to return to England. ‘… Because if you left your own country, if you left it late, and made your home in someone else’s country, there was always a feeling that you were breaking an invisible law, always the irrational fear that, one day, some ‘rightful owner’ would arrive to take it all away, and you would be driven out – back to London or Hampshire or Norfolk, to whatever place you could legitimately lay claim.’
Hätte eine englische Freundin mir zu Weihnachten nicht “The Road Home” von Rose Tremain geschenkt, ich wäre vermutlich heute noch nicht auf diese ideenreiche, fantasievolle, einfühlsame und in jeder Hinsicht brilliante Autorin gestoßen.
Ich lese sie im Original und muss mich daher nicht auf mehr oder weniger gelungene Übersetzungen verlassen, um immer wieder ihre Genialität zu entdecken. Ich finde es wunderbar, wie sie sich in ihre weiblichen und männlichen Charaktere jeden Alters hineinversetzen kann, wie sie das Kolorit und Lebensgefühl einer Epoche erfassen und dem Leser vermitteln kann. Sie gibt ihren Heldinnen und Helden ein absolut überzeugendes Leben. Sie spielt mit der Historie, mit historischen Figuren, ihren Stärken und Schwächen, lässt den Leser tiefe Einblicke gewinnen in deren mitunter erschreckend begrenzte Lebensumstände - zeitlich weit zurückliegende wie auch gegenwärtige.
Immer habe ich das Gefühl, etwas bei dieser Autorin zu lernen, meinen eigenen beschränkten Lebenshorizont zu erweitern in meiner Sichtweise auf Dinge und Menschen, nachdem ich gelesen und miterlebt habe, was Rose Tremain ihren Charakteren zumutet und wie diese sich jeweils mit ihrem Schicksal arrangieren. Ich fühle mich wie ein geläuterter Mensch nach der Lektüre ihrer Romane.
“Trespass”, ihr neuester Roman, kann in seiner Thematik stellvertretend stehen für viele ihrer Werke, von denen ich neben “The Road Home” bisher “Sacred Country”, “Music and Silence” und “The Colour” gelesen habe. Immer geht es um die Art und Weise, wie wir uns an anderen versündigen, ihr Leben beeinflussen oder zerstören, so dass sie sich nie mehr davon erholen. Die Einsicht kommt spät oder nie. Manche Dinge lassen sich zurechtrücken; in der Regel gibt es jedoch keine Wiedergutmachung; eine ausgleichende Gerechtigkeit vielleicht, aber keine Generalabsolution. Manche Charaktere entwickeln sich weiter, können sogar ihr Lebensglück finden, andere verharren lebenslang auf ihrem Standpunkt, sind sich keiner Schuld bewusst. Für manche gibt es keine Zukunft, für andere ist sie nur unter veränderten Bedingungen möglich. Manchmal ist auch Überraschung im Spiel, aber in den Schoß fällt niemandem etwas.
Oft erinnert mich Rose Tremain an die große amerikanische Meisterin ihres Fachs, Joyce Carol Oates. Und im Falle von “Trespass” an deren Roman “We Were the Mulvaneys”. Das ist große Literatur. Auf die eine oder andere Art und Weise hat sie immer mit unseren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen zu tun. Diese Romane bewirken etwas in uns, und sei es nur, dass sie uns demütiger und verständiger gegenüber unserem eigenen Leben und seinen Unzulänglichkeiten machen.
“The Funny German”, ‘Der lustige Deutsche’? Das gibt es doch gar nicht, denke ich, als ich den Titel lese. Ein lieber Freund hat mir das Buch geschenkt, u.a., weil es in London spielt, und er kennt meine Vorliebe für England, die Engländer und London.
Der Autor, Ronald Reng, ist trotz des englisch anmutenden Vornamens Deutscher, hat von 1996 bis 2001 selbst in London gelebt. ‘Der lustige Deutsche’! Erinnert mich plötzlich an ein Gericht, das ich als Studentin oft beim Jugoslawen bestellt habe: Der lustige Bosniak! Klingt irgendwie nach Volksmusik und aufgesetzter Heiterkeit. Mit solchen, wenn mir auch nur unterschwellig bewussten Gefühlen beginne ich den Roman zu lesen, in der Erwartung, dass es jetzt gleich mächtig lustig zugehen müsste im schönen London. Stattdessen erfährt man von der Nervosität des deutschen Komikers Andreas Merkel – Angela Merkel: Was hat der Autor sich bei dieser Namensgebung gedacht? – vor seinem abendlichen Auftritt in einem Pub; von seinen Lockerungsübungen der Kiefermuskulatur mit einem Korken. Viel zu früh hat er sich auf den Weg gemacht im Auto seines Freundes und Managers Jim Merton. Er wirkt übermäßig angespannt, behauptet, vor Auftritten nie Alkohol zu trinken, um sich dann in einem Pub einen Kaffee mit Rum zu bestellen, womit sowohl auf den selbstgerechten Heuchler als auch das gleichnamige Getränk, nämlich den Pharisäer, angespielt werden soll. So zumindest kommt mir diese Textstelle vor. Er versucht sich damit von einer ausgesprochen peinlichen und unangenehmen Situation mit einem Schwarzen in einem Supermarkt zu erholen, den er noch kurzfristig aufgesucht hat und eiligst verlässt, um nicht in eine handgreifliche Auseinandersetzung und mehr verwickelt zu werden. Die Provokation allerdings ging von ihm selbst aus. Man spürt gleich, dass man es bei der Hauptfigur mit einem etwas schwierigen Zeitgenossen zu tun hat, der das Talent besitzt, in jedes Fettnäpfchen zu treten, das man ihm hinstellt; ein Mensch, der die Dinge nicht so im Griff zu haben scheint, wie er uns manchmal glauben machen will. Wenn Komiker, denke ich, dann mit den ‘Tears Of A Clown’, einem meiner Lieblingssongs längst vergangener Zeiten.
Und es soll noch schlimmer kommen: Einer spontanen Regung folgend, macht er sich noch kurz vor Beginn seines Auftritts auf den Weg zu seiner Lieblingspatisserie in einer Nebenstraße, um ein Croissant zu erstehen. Dort jedoch kommt er nie an. Wie aus dem Nichts kommend taucht links von ihm plötzlich ein Radfahrer aus der Dunkelheit vor seiner Windschutzscheibe auf. Er ist nicht zu schnell gefahren, kann aber auch nicht mehr bremsen und überfährt den zwölfjährigen Jungen, der sofort tot ist. Wegen der vollaufgedrehten Musik im Auto hat Merkel ihn weder kommen hören, noch war er gefasst darauf. Das Bild wird er nun nicht mehr los. Vorbei ist es nun mit seinem Lachen und seiner Lustigkeit. Man klagt ihn nicht an, man verurteilt ihn nicht, doch damit kann sich niemand trösten, der einen Menschen – unter welchen Umständen auch immer – getötet hat. Paradoxerweise nimmt sowohl der Bekanntheitsgrad als auch der Erfolg von Andreas Merkel, “The Funny German”, genau wegen dieses Unfalls zu, über den nach und nach auch in den Medien berichtet wird. Sogar die Mutter des getöteten Jungen sucht den Kontakt zu ihm – nicht, um ihn anzuklagen, sondern um mit ihrem Schmerz über den unbegreiflichen Verlust besser zurechtzukommen. Später stellt sich heraus, dass Freunde des Jungen die Bremsen an seinem Fahrrad manipuliert hatten, so dass er gar nicht hat reagieren können. Tragisch die ganze Situation, auch oder gerade wegen der Unvermeidlichkeit der Katastrophe.
In dieser Zeit lernt Merkel die junge Studentin Orla kennen, mit der er sich erstmalig eine feste Beziehung vorstellen kann. Im Verlauf des Romans wird dem Leser deutlich, dass Andreas’ Aufenthalt in London als Komiker nach erfolgreichem Abschluss seines Masterkurses an der London School of Economics auch als eine Flucht vor den Eltern im norddeutschen Emden und ihren Erwartungen an den Sohn zu deuten ist. Seine beiden Schwestern sind als Ärztin und Krankenschwester bereits in die Fußstapfen des Vaters und sicherlich anerkannten Arztes getreten. Andreas hegt keinerlei Karrieregedanken bezüglich seines abgeschlossenen Studiums , außer denen, seinen Durchbruch als Komiker in London zu schaffen, von dem er nun – so sein Manager – nur noch Millimeter entfernt sei. Er verzichtet sogar auf eine Tournee durch Australien, die ihm Erfolg über England hinausgehend in Aussicht gestellt hätte. Allerdings hätte er sich von nun an unter die Fittiche einer herrischen und ambitionierten Agentin begeben müssen.
Es ist fraglich, ob Andreas’ Gags ausgereicht hätten, ihn außerhalb Englands erfolgreich und berühmt zu machen. Sie basieren auf den üblichen Vorurteilen der Engländer gegenüber Deutschen. Die verlorenen Weltkriege, der Sieg Englands über Deutschland im Fußball liefern den Stoff. Andreas macht sich bereitwillig zum Opfer, lässt sich vom oft stark alkoholisierten Publikum anpflaumen und beleidigen, ohne jedoch seinen kritisch-analytischen Blick auf die englischsprachige Welt und ihre Absurditäten zu verlieren. ‘Funny’, wenn überhaupt, ist die Möglichkeit, in einem Land wie England als Deutscher abzutauchen, Erfolg zu haben, um die Häuser in Londons angesagten Vergnügungsvierteln zu ziehen und das Leben zu genießen, solange man noch einigermaßen jung ist.
Ich gebe zu, ich hatte anderes erwartet. Doch ich kann Andreas’ Vorliebe für das Londoner Lebensgefühl nachempfinden. Entlarvend an seinen Gags als “The Funny German” sind allerdings weniger die Inhalte als das, worüber Engländer in diesen Zeiten immer noch lachen können und lachen wollen. Irgendwann wird das kein Thema mehr sein.